Hundeschule? Ich hab schon ewig einen Hund!

Mit diesem Satz werde ich immer wieder darauf hingewiesen, dass kein Bedarf an theoretischem Wissen zum Thema Hund besteht. Das kann und will ich nicht verurteilen, denn oftmals ist dem auch so. Aber eben nicht immer. Für diese Fälle ist mir ein nicht ganz unpassender Vergleich eingefallen. Ändern wir die Überschrift in:

Kochkurs? Ich hab schon ewig einen Herd!

Bei dieser Zeile leuchtet sofort ein: Für die Frage entscheidend ist, was man damit kochen möchte. Wenn ich ewig Nudeln mit Ketchup gekocht habe und das weiter möchte, brauch ich keinen Kochkurs. Mit meiner Erfahrung gelingt es mir wahrscheinlich sogar Kartoffeln zu kochen und Würstchen oder Spiegelei zu zaubern.

Nicht jeder muss einen Kochkurs machen und es ist wahrlich nichts an einfachen Gerichten auszusetzen!

Allerdings kann ich Jahrzehnte Nudeln kochen und werde doch keine anspruchsvollen Menüs zaubern können.

So ist es auch mit der Hundeerziehung. Ich kann Jahrzehnte gut sozialisierte Hunde gehabt haben. Vielleicht sogar von der Rasse geeignete Familienhunde mit dem „berüchtigten“ Willen zu Gefallen. All diese Erfahrung befähigt mich aber nicht im geringsten, mit einem traumatisierten Angsthund angemessen umzugehen. Ich kann auch nicht wegen der Jahrzehnte Erfahrung plötzlich einen arbeitssamen Jagdhund „beherrschen“ oder einen Herdenschutzhund betreuen.

Wenn ich aus irgendeinem Grund statt einfacher Kost plötzlich anspruchsvolle Menüs kreieren möchte, MUSS ich lernen. Ansonsten wird niemandem mein Essen schmecken.

An einer entscheidenden Stelle hinkt das Beispiel: Wenn sich jemand für einen Sternekoch hält und ungenießbare Menüs zaubert, macht er sich vielleicht schlimmstenfalls selbst lächerlich. In der Hundeerziehung sind die Folgen leider oft weit reichend. So leidet zunächst der Hund unter dem unangemessenen, weil nicht sachkundigen Verhalten. Dann aber alsbald auch der Halter und sein Umfeld. Nicht selten muss der Hund dann weg und eine Odyssee beginnt.

Beim Kochen überlege ich mir vorher, was ich kochen möchte, was ich dafür brauche und ob ich das kann.

Es ist wohl das Mindeste, sich diese Gedanken auch schon vor der Anschaffung eines Hundes zu machen und auch bei Problemen die Verantwortung für den Hund und das eigene Verhalten zu übernehmen!

Viele Menschen machen übrigens auch Kochkurse aus Spaß und Interesse.

So gibt es auch Hundeschulen, die nicht für Prüfungen auf Leistung drillen, sondern Hund und Halter Wissen, Training und Spaß bieten. Hundherum-zufrieden.de sei da als ein Beispiel genannt.

In diesem Sinne wünsche ich viel Spaß beim Lernen und Ausprobieren von etwas Neuem.