Krise & Spieltherapie

Virginia Axline hat 1997 in ihrem Buch „Kinder-Spieltherapie im nichtdirektiven Verfahren“ einige Grundprinzipien aufgestellt, die fast alle als pädagogische Grundlage in schwierigen Situationen dienen können:

1. Aufbau einer warmen und freundlichen Beziehung zum Kind
– Warm und freundlich kann in Krisensitutionen schwierig sein. Aber ja, mit einer kalten und unfreundlichen Beziehungsgestaltung wird wohl auch keine Krise gemeistert.

2. Bedingungslose Annahme des Kindes
– Jeden Menschen so annehmen, wie er ist. Akzeptieren, dass er andere Wertvorstellungen hat und aus eigener Sicht ungewöhnliche Verhaltensweisen zeigt. Was aber nicht bedeutet, jedes Verhalten zu akzeptieren!

3. Es herrscht eine Atmosphäre des Gewährenlassens, in der das Kind all seine Gefühle frei und ungehemmt ausdrücken kann.
– Eine Ehrlichkeit, die ich generell günstig fände, um Konflikte zu vermeiden. Lügen und sich Verbiegen, sich verstecken, kann nicht wirklich zu konstruktiven Lösungen führen.

4. Die Aufmerksamkeit ist auf das Kind gerichtet, so dass er erkennen kann, welche Gefühle das Kind ausdrücken möchte.
– Leider ist es im Alltag oft so, dass wir uns unterhalten und unsere Aufmerksamkeit bei anderen Dingen liegt. Schon im Hier-und-Jetzt sein ist manchmal schon schwierig. Wenn ich mit jemandem an einer schwierigen Situation etwas änder möchte, MUSS ich mich konzentrieren.

5. Dem Kind wird Gelegenheit gegeben, seinen Fähigkeiten entsprechend, seine Schwierigkeiten selbst zu lösen.
– Vertrauen in die Fähigkeiten des Gegenübers. Wenn ich jemandem Dinge abnehme, die er selber lernen könnte, blockiere ich ihn und nehme ihn die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln.

6. Der Therapeut begleitet das Kind in seiner Entwicklung und gibt nicht den Weg vor.
– Nach Carl Rogers eine der Grundvoraussetzungen für kreative Fähigkeiten. Mag sein ich habe eine Lösung für das Problem eines Kindes. Aber meine Lösung wird nicht die einzig Richtige sein. Und womöglich sogar nicht unbedingt die Beste.
Dabei fallen mir die verschiedenen Lösungswege in der Mathematik ein. Heute werden andere Wege gelehrt als vor 30 Jahren. Und doch führen sie zum gleichen Ergebnis.

7. Das Kind bekommt für seine Entwicklung die Zeit, die es braucht.
– Zeitdruck bei Krisen wäre auch eine super Idee! Alles dauert so lange, wie es dauert.

8. Der Therapeut setzt nur dort Grenzen, wo dies notwendig ist.
– Natürlich. Was raus muss, muss raus. Im übrigen gelten hier die aufgestellten Grundsätze ja für den Therapeuten, Erzieher, Pädagogen, Elternteil – kurzum: den vermeintlich (innerlich) Stärkeren in der professionellen Rolle.
Dabei gilt unbedingt, dass Grenzen zu setzen sind. Gerade in Krisensituationen ist Grenzenlosigkeit keine gute Wahl.

Sich an diese „Regeln“ zu halten fällt naturgemäß mit zunehmendem Abstand leichter. Als Elternteil ist man meist viel zu dicht dran und emotional beteiligt. Dennoch kann es nicht schaden, über das eigene Verhalten nachzudenken! Hier können die Grundsätze von Virginia Axline als eine gute Basis zur Selbstreflektion dienen.

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